Wie ich mich im Badminton-Labyrinth verlief bzw. „Spielst du Tennis?!“

Ich hole weit nach hinten aus, ziehe durch und versuche den Schläger nicht komplett über die linke Schulter zu ziehen. „Spielst du Tennis?“, fragen sie. „Ja“, sage ich. „Sieht man das etwa?“ Wo ist der Fehler? Nun. Auf einem Tennisplatz würde das wohl keiner fragen. Wo aber wäre eine klassische Tennisvorhand sonst angebracht? Richtig: nirgends. Manchmal muss man halt einfach mal gegen den Strich…spielen.

Als ich vor fast genau drei Jahren nach Köln kam, kannte ich niemanden außer zwei meiner Kollegen. Ich war das erste Mal von zuhause ausgezogen, alles war neu: Stadt, Job, Wohnung. Im ersten Arbeitsmonat schrieb ich noch parallel meine Bachelorarbeit (wozu auch die freien Semesterferien dafür nutzen?!). Es blieb somit keine Zeit, um neue Kontakte zu knüpfen. Außerhalb des Büros sprach ich lediglich mit meiner Vermieterin und einer ihrer Katzen.

Doch es kam der Moment, da die Bachelorarbeit Geschichte war und ich das sensationelle Gefühl der abendlichen Freizeit kennenlernte. Ich kam von der Arbeit, setzte mich auf die Couch und war ungläubig verdutzt. Nichts lernen? Nichts (unfreiwillig) schreiben? Ich war frei.

Jetzt war Einleben angesagt. Alleine essen gehen und Leute anquatschen ist nicht mein Ding – zu schüchtern. In Großstädten profitiert man in diesem Punkt von sozialen Netzwerken. In Gruppen wie „Neu in Köln“ oder „Nettwerk Köln“ lassen sich schnell Menschen für allerlei Aktivitäten finden. Ich dachte mir damals: Wenn ich schon niemanden kenne, könnte ich wenigstens Sport machen. Mit dieser Motivation stieß ich auf die Gruppe „Badminton in Köln“.

Meine Erfahrung mit dem Federball-Streichel-Sport beschränkte sich bis dato auf eine sympathische Service-Übung in der Schule. Dabei galt es, 15 Mal auf eine Turnmatte zu treffen. 13 Treffer konnte ich verbuchen. Ergebnis: 1-. Vom Spielen war ich aber weit entfernt. Wie so oft hieß es in Köln: Zeit für Neues!

Das Schöne an der Gruppe ist zum einen, dass man sich spontan Woche für Woche zu den Spielterminen anmelden kann. Man verpflichtet sich also nicht auf längere Zeit wie beispielsweise in einem Fitnessstudio. Zum anderen sind Neuankömmlinge – egal welcher Spielstärke – jederzeit herzlich willkommen. So nahmen die Leute auch mich sehr nett auf, weshalb ich gerne regelmäßig kam. Mit meinem Talent in dieser Sportart hatte diese Entscheidung allerdings wenig bis nichts zu tun.

Inzwischen liegt meine Badminton-Premiere in der Domstadt mehr als zweieinhalb Jahre zurück. Jetzt habe ich wieder einmal gespielt – das erste Mal nach rund drei Monaten Pause. Die lange Abstinenz erklärt sich aus mangelndem Talent, der Präferenz für das Filzkugel-Schlagen und meinen Nerven. Wie ich nämlich schnell lernte, lässt sich der Nervenwurstsalat 1:1 auf Badminton übertragen… Als eine Freundin mich jetzt aber mit Hundeblick fragte, ob ich mal wieder mitspielen würde, gab ich mir einen Ruck. Und es hat sogar Spaß gemacht. Das macht es in der Regel immer, wenn man einen Monat Abstand zwischen den Spielterminen lässt. Häufigeres Auftreten wird meinem Kopf zu ernsthaft. Badminton ist reines Hobby, Tennis ist und bleibt mein Sport Nummer eins. Nicht selten blickte ich mit Wehmut auf die Tennisplätze, die direkt neben den Badminton-Feldern beheimatet sind.

Doch ich habe einen Weg gefunden, diese beiden Schlägersportarten zu verbinden. Man nehme die Regeln vom Badminton (die ich mir in 88 Prozent der Fälle merken kann) und die Technik vom Tennis. Leicht seitlich stellen, weit seitlich ausholen und kräftig durchziehen. Das ist vielleicht nicht schön, aber es funktioniert. Nicht selten kommt es daher zu anfangs beschriebenem Dialog… Und jedes Mal antworte ich: „Ja, ich habe mich hierhin verlaufen!“ Doch in diesem Labyrinth ist es sehr nett. Weswegen ich demnächst wohl erneut den viel zu kleinen Schläger aus dem Regal hervorkramen werde.