Wie ich an meine erste (Handy-)Nummer kam

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Es war der 9. Mai 2015. Der Tag begann wie jeder andere Samstag. Und doch sollte er in meiner persönlichen L(i)ebensgeschichte eine besondere Rolle spielen.

Nachdem unsere Susi nicht mehr hier bei uns war, vermisste ich den Kontakt zu kalten Hundeschnauzen, Wuschelfell und schwanzwedelnden Begleitern auf vier Pfoten. Über Facebook machte ich mich auf die Suche nach Hundebesitzern, die ich ab und an beim Hüten ihrer Lieblinge unterstützen könnte. Eine der ersten Freundinnen auf vier Pfoten wurde Minou – eine traumhafte Münsterländerin. Äußerlich macht sie stets eine wahnsinnig gute Figur und verzaubert mit ihrer Einstellung: „Hallo! Ich bin Minou und wer immer du bist, ich mag dich!“ Ich weiß noch, als ich sie das erste Mal sah. Sie war tierisch aufgeregt, ihr Schwanz wedelte wie wild vor Freude und sie lief aufgeregt hin und her. Mir drängte sich die Sorge auf, sie bekäme gleich einen Herzinfarkt vor lauter Adrenalin. Doch ihr Frauchen beruhigte mich, das sei alles normal. Na dann – lass uns Freunde sein Minou!

Minou kann abgesehen von ihrer optischen Schönheit einen ausgeprägten Charakter vorweisen. Sie liebt Essen. Und sie liebt Dreck. Der Himmel auf Erden: essen im Dreck. Man muss alles Essbare in der Wohnung aus ihrer Reichweite entfernen. Dabei gibt es zwei Dinge zu beachten: 1. Ihre Reichweite ist größer, als du denkst. 2. Es ist viel mehr in deiner Wohnung essbar, als du glaubst.

Am Samstag, dem 9. Mai, verbrachte ich zusammen mit einer Freundin und dem Münsterländer-Traum einige glückliche Stunden auf der Couch. Denn auch das habe ich von Minous Frauchen gelernt: „Gassi gehen ist Silber, Kuscheln ist Gold.“ Am Abend brachten Minou und ich meine Freundin nach Hause, das sind gerade mal ein paar Stationen mit der Bahn. Es liegt im Charakter der treuen Vierbeiner, dass sie jeden Menschen akzeptieren – egal wie alt, wie schön, wie reich er ist. Davon sollten wir Zweibeiner uns dringend mehrere Scheiben abschneiden.

Nun führte diese Liebe-für-alle noch zu einem lustigen und durchaus denkwürdigen Ereignis. Wir saßen also in der Bahn und fuhren unserer Linie. Mit jeder Haltestelle füllte sich das zuverlässige Verkehrsmittel wie sonst auch. Dann stieg ein Mann ein, setzte sich auf einen einzelnen Sitz und weiter ging’s. Minou roch Lunte und sah die Chance auf potenzielle Streicheleinheiten. Im Gegensatz zu mir wartete sie aber keine Sekunde, ging die Annäherung nicht noch einmal im Kopf durch – sondern ergriff sofort die Initiative. Länge der Leine ausgenutzt, angepirscht, Hundeblick aufgesetzt. Flirtversuch gelungen. Respekt Minou, sauberes Manöver!

Während Minou sich genüsslich hinter dem Ohr kraulen ließ, unterhielten wir uns ein paar Stationen mit dem Mann. Dann hieß es „Nächster Halt – Eifelstraße“, hier mussten wir raus. Wir verabschiedeten uns von dem spontanen Streichelknaben und stiegen aus. Nicht ohne, dass der Mann mir einen Zettel in die Hand drückte. Geistreich, wie ich manchmal so bin, wandte ich mich verwundert an meine Freundin: „Was hat er mir da gegeben?“ Und da war sie: Die erste Handynummer, die mir je von einem Typen zugesteckt wurde. Was grundsätzlich ein Grund zur Freude ist, ließ mich an diesem Tag nun doch eher wortlos zurück. Denn wie Vierbeiner so eben sind, halten sie nichts von menschlichen Schönheitsnormen. So muss sich Minou gedacht haben: Mitte 40, schütteres Haar, länger nicht geduscht und nicht alle Zähne vorhanden – das wäre doch was für mein Vertretungsfrauchen!

Nun, Frank. Es tut mir Leid, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Ich hoffe, Du hast inzwischen noch viele weitere tolle Hunde und Frauchen getroffen.